Garten der Stille Römerswil

 

Baum des Monats 

August 2021:

Zypresse

(Cupressaceae)




Der Baum des Augusts wird nun die Zypresse. In unserm Garten ist sie vielerorts zu finden. Aber Achtung, bei rascher Betrachtung kann sie leicht mit der Thuja verwechselt werden.

Denke ich an Zypressen, reise ich in meinen Gedanken augenblicklich in den Süden Frankreichs oder in der Toskana. Sie ist ein Sinnbild für den Süden, den unverkennbaren leicht harzigen, aber zauberhaften Duft von sonnenbeschienenen Zypressenhainen.

Das Bild von Vincent Van Gogh «Sternenhimmel» zeigt eine sternklare Nacht, in der der kalte Nordwind «Mistral» an der gesamten Szenerie beutelt, reisst und zaus. Und die Zypresse… Sie steht standhaft und gibt sich gleich dem Wind hin. Sie strahlt eine gewisse Strenge und damit auch eine Klarheit und zielstrebige Kraft aus. 

Bereits Millionen Jahre vor den Laubbäumen wuchsen auf der Erde Zypressen. Im alten Europa bildeten sie riesige wohlriechende Sumpfwälder, die im Lauf der Zeiten untergingen und sich dann in den tiefen Erdschichten zu Braunkohle verwandelten.

Zypressen gehören zu den ältesten Bäumen auf unserem Planeten. Sie können bis zu 900 Jahre alt werden. Auch in der Grösse gehören sie zu den stattlichen Bäumen. Sie werden bis zu 60 Meter groß.

Die Zypresse ist besonders licht-, und sonnenhungrig. Sie scheint die nährende Wärme zu sammeln und diese in ihrer kerzen- oder flammenartigen Gestalt dem Himmel entgegenzuführen. Ihre Blätter sind schuppenförmig, aber nicht mit Nadeln zu verwechseln.

Um die Zypresse ranken sie zahlreiche Sagen und Legenden. Sie wurde als Lebens- wie auch als Totenbaum verehrt. Im christlichen Glauben galt sie als Baum der Auferstehung. Sie scheint Licht und Dunkelheit in sich zu vereinen. Leonardo da Vinci bezeichnet sie als „verbindendes Element zwischen Firmament und Erde“.

Im Mittlermeerraum werden noch immer Friedhöfe mit Zypressen umsäumt. Verstorbenen werden Zweige der Zypresse in den Sarg gelegt. Zudem ist die Zypresse traditionell auch ein Symbol für Langlebigkeit, worauf auch ihr Name „Zypresse“ verweist, der auf den lateinischen Begriff „sempervirens“ zurückgeht, was sich mit „immerlebend“ übersetzen lässt.  

Daher erstaunt es nicht, dass bereits die Kelten sie als den Lebensbaum der Ewigkeit verehrten. Sie symbolsiereit nach deren Baumkreis Erhabenheit und Zuversicht.

In der Volksheilkunde ist sie in unseren Gefilden eher unbekannt, jedoch im Mittelmeerraum war ihre Heilwirkung aus all ihren Bestandteilen fest im Brauchtum verankert. Besonders das Zypressenöl zeigt vielseitige Eigenschaften. Es wirkt entkrampfend, keimwidrig, insektenvertreibend, nervenstärkend, entspannend. Sie kann für Massagen, Bäder, für Kompressen oder auch zur Inhalation angewandt werden. An diesen aussergewöhnlich kühlen Tagen kann vielleicht ein Bad aus Zypressenzweigen seine wohltuenden kräftigende Wirkung auf unser gesamtes Nervensystem, eine Wohltat sein. Gern benutzt wird die Zypresse auch als Räuchermittel. Auch hier wirkt sie reinigend, desinfizierend, insektenvertreibend oder löst Verkrampfungen der Atemwege.

Das feingemaserte Holz diente schon seit jeher zu Drechsel- und Tischlerarbeiten. Es lässt sich leicht verarbeiten und ist ein beständiges und sich selbst (vor Insektenfrass und Fäulnis) schützendes Holz.

Mit jeder Faser verweist die Zypresse auf ihre Zähigkeit, stoische Genügsamkeit und Langlebigkeit. 

Juli 2021:

Ulme

(Ulmus)

 

Die Ulme wird im Volksmund Rüster, Elm oder Elfenholz genannt. Der Name bezieht sich auf das herrlich gemaserte und sehr widerstandsfähige Holz. Der Name wurde entweder aus dem lateinischen «ulmulus» entlehnt oder bildet sich unter dessen Einwirkung aus dem althochdeutschen «elmboum». Beide möglichen Entwicklungen des Namens beziehen sich wohl auf die indogermanische Wurzel «el oder ol» was für rötlich glänzend steht. Die Ulme ist ein anspruchsvoller Laubbaum mit majestätischem Wuchs, der gerne in Mischwäldern vorkommt. In den letzten Jahrzehnten kam sie durch das massenhafte „Ulmensterben“ in die Schlagzeilen. Durch Käfer übertragene Pilze löste dieses Sterben aus. Die Ulme reagiert sehr sensibel auf die zunehmende Luftverschmutzung und den Klimawandel. Ihr Bestand scheint sich glücklicherweise seit der Jahrtausendwende etwas zu erholen. Wenn man sie lässt, werden Ulmen uralt - bis zu 400 Jahre werden diese Riesen alt. Es wäre auch zu schade um diesen besonderen Baum mit dieser so majestätischer und erhabener Ausstrahlung. Die Ulme kann eine Höhe von 40 Metern bei einem Stammdurchmesser von bis zu 1 Meter erreichen.  Auch unsere Ulmen im Garten sind an ihrer längsrissigen, bräunlich-graue Rinde zu erkennen. Die kurz gestielten Blätter sind glänzend, tiefgrün gezähnt, spitz und verkehrt-eiförmig.

Das Holz der Ulme ist durch ihr grosses Sterben sehr selten, aber nicht weniger begehrt. Das wunderschöne rötlichbraune und zum Teil spannend gemaserte Holz ist im Möbelbau sehr beliebt.

Die Samenstände sind kleine Nussfrüchte die ganz mit hauchdünnen Flügeln umgeben sind (Samara). Wenn sie dann vom Wind verbreitet werden, sind sie nur wenige Tage keimfähig. Die Früchte, wie auch die Blätter können kulinarisch eingesetzt werden. Die frischen Blätter aber auch die Samen ergeben ein besonderes Geschmackserlebnis in Salaten oder als außergewöhnliche Beilage. Die kleinen Früchte können auch getrocknet und zu einem feinen Pulver gemörsert als besonderes Topping zu Müsli und Eiscreme verwenden werden.

Auch im Brauchtum war die Ulme seit jeher fest verankert. Im antiken Griechenland war die Ulme Hermes dem Schutzgott der Reisenden, wie auch Morpheus dem Gott des Schlafes, geweiht. Sie war ein Symbol für den Schlaf, den Tod und die Trauer. Ihre Früchte begleiten die Toten auf dem Weg in die Unterwelt. Nicht nur Hermes, sondern auch Morpheus bedienten sich der Ulmenkräfte. An einer Ulme am Eingang zur Unterwelt hängen die Träume der Menschen. Durch sie übermittelt Morpheus Botschaften in die Welt der Lebenden.

Die Ulme war auch als Wohnort für Feen und Waldgeister und als Schutzbaum für Höfe bekannt. So versuchte man vielerorts mit Hilfe von Ulmen bösen Zauber abzuwehren. In der Normandie wurden zu diesem Zweck Rindenstücke in ihre Kleidung eingenäht. In England (York) wurden sogenannte Zauber-Ulmen als Schutz um die Gärten herum gepflanzt. Der «Garten der Stille» wird in diesem Sinne aus dem Inneren heraus geschützt. 

 

Bei den Kelten galt als ein altruistisches Zeichen, da sie anderen Pflanzen kein Licht raubt und auf eine massvolle, gerechte und sinnvolle Lebensgrundlage für alle bedacht ist.

Die Stämme alter Ulmen sind hohl und die Rinde wird knorrig. Kein Wunder, dass die Menschen in den bizarren Stammformen der Ulme allerhand Geschichten und Mythen sehen. Umso wichtiger ist es, die verbliebenen und so seltenen Bäume zu schützen und ihre Geschichten weiterzuerzählen.

Juni 2021:


Holunder

(sambucus nigra)

Mit Beginn des Junis, ist er dieses Jahr schon recht spät. Der Holunderstrauch, während des ganzen Frühlings eher unscheinbar in Wald, Flur oder Garten, beginnt er sich nun zu öffnen. In unseren Breiten ist der Schwarze Holunder der wohl weitverbreitetste Holderbusch. In unserem Garten der Stille verstecken sich mehrere weissblühende Exemplare. Mancherorts scheinen sie sich in einer Strauchgemeinschaft einzufinden und an anderer Stelle präsentieren sie sich, mit jedem Sonnentag mehr, lieber als Einzelbusch, in ihrer weissen Blütenpracht. Am äusseren Rand des Gartens finden sich mehrere Büsche zu einer kleinen schützenden Hecke gepflanzt. Diese sind eine ganz besondere Form des Schwarzen Holders (Black Beauty). Sie tragen dunkelrot bis schwarzrote Blätter mit demnächst zarten rosafarbenen Blüten.

Der Holunder war seit Jeher ein sehr geschätzter und hochgeachteter Busch. Sein kleiner knorriger und oft verwundener Stamm, wirkt manchmal selbst wie ein knorriges Erd-Waldwesen. Die kleinen starkduftenden Blüten im Frühling und die darauffolgenden Beeren im Herbst waren lange Zeit wesentlicher Bestandteil in der Volksheilkunde. Bei Ausgrabungen in der Schweiz wurden Überreste von gekochten Holunderbeeren gefunden, die aus der Steinzeit stammen. ER wurde ein traditioneller Haus- und Schutzbaum, der als «Apotheke» vor dem Haus vielfältig eingesetzt wurde. Der Holunderstrauch verdankt seinen Namen der «Holden Frau» auch Frau Holle genannt. Diese Holde Frau war bei den Germanen die Göttin Frija. Der Schutzgöttin der Liebe und des Lichts wurde der Holderbusch gewidmet. Nach dem Glauben der Menschen schenkte Frija dem Busch heilende und Gute Kräfte. Die heilende Wirkung der Blüten wie der Früchte ist auch unbestritten vorhanden. Um diesen Busch ranken sich zahlreiche Mythen. Als Schutzmittel vor bösen Geistern wurde er gerne eigesetzt. Aus diesem Grund war er Jahrhunderte lang auch als Schutzbaum vor Haus und Hof zu finden.

 

Eine Geschichte für die Rast unter einem Holunderstrauch

 

Die Kraft des Strauches der Frija

(Gs aus «Waldfühlungen» Neumann / Neumann)

 

Vor über zweitausend Jahren lebte ein Töpfer mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf einem kleinen Hof am Rande eines Dorfes der Cherusker, Die Cherusker waren ein germanischer Volksstamm. Der Töpfer hiess Ansgar und seine Frau Unka, Da Ansgar die Familie nicht allein vom Handel mit Töpfen ernähren konnte, hielten sie sich zwei Kühe und zwei Schweine.

Als Ansgar wieder einmal zum Tonsee gegangen war, um neuen Ton zu holen, sah er, wie ein Hund von etwa 20 Krähen angegriffen wurde. Der Hund tat ihm leid. So nahm er einen Knüppel und schleuderten diesen wie wild herum und vertrieb die Krähen. Laut krächzend, suchten die Krähen das Weite. Ansgar sah vor sich den verletzen Hund, der nur noch leise wimmerte. Da nahm er ihn mit nach Hause und pflegte ihn gesund. Seine Frau war anfangs gar nicht erfreut, denn es war mit dem Hund noch ein zusätzlicher Esser mit im Haus. Die Kinder aber waren begeistert von dem fröhlichen Hund. Sie teilen sogar ihr eigenes Essen mit ihm und als er wieder gesund war, spielten sie gerne zusammen.

Nach einem Monat kamen an einem Abend die Krähen wieder und setzen sich auf das Dach des Hauses und machten einen höllischen Lärm. Der Hund verkroch sich darauf in der hintersten Ecke. Die Kinder liefen laut schreiend aus dem Haus tobten und wüteten, bis die Krähen abermals laut krächzend davonflogen.

Am Tag darauf wurde das jüngste Kind krank. Es lag mit hohem Fieber im Bett und phantasierte, Unka versuchte das Fieber mit kalten Kompressen zu senken, Aber es war umsonst. Am nächsten Tag bekamen auch die beiden älteren Kinder Fieber. Das Jüngste war schon völlig geschwächt und lag mit leerem Blick auf seinem Bettchen. Darauf holten sich Unka und Ansgar den Weisen des Dorfes zu Rate.

Der Weise machte die bösen Geister für die Krankheit verantwortlich. Und auf irgendeine Weise mussten wohl die Krähen und der Hund mit diesen bösen Geistern in Verbindung stehen. Erst wenn der Hund wieder aus dem Haus sei, könnten die Kinder wieder gesund werden, riet ihnen der alte Weise. So trug er Ansgar auf den Hund in den Wald zu bringen und ihn dort auszusetzen.

Verzweifelt und traurig keinen Ausweg zu wissen, nahm Ansgar den Hund und lief mit ihm tief in den Wald. Auf einer Lichtung liess er ihn vom Strick. Der Hund sah in mit traurigen Augen ängstlich an, denn er hörte schon wieder das Krächzen der schwarzen Vögel. Ansgar brachte es nicht übers Herz den Hund einfach hier seinem Schicksal zu überlassen. Er dachte an die Krähen und wusste, er musste den armen Kerl wieder mitnehmen.

Gerad in dem Moment als er den Wald zusammen mit dem Hund wieder verlassen wollte, trat ihm eine alte Frau in den Weg. «Wer bist du, Alte?» fragte Ansgar erschrocken. Sie sagte zum Töpfer: «Ich bin Frija. Ich habe beobachtet, dass du ein gutherziger Mensch bist. Denn du opferst das Leben eines Hundes nicht den bösen Geistern.» Ansgar erwiderte: «Ach was nutzt es mir, ein weiches Herz zu haben, wenn meine Kinder sterben werden.»

Die Alte gab ihm einen kleinen Holunderstrauch und sagte: «Pflanze diesen Strauch auf deinem Hof und bereite aus den Blüten für deine Kinder einen Tee.» Mit diesen Worten verschwand Frija, wie sie gekommen war. 

 

Ansgar tat genau das, was Frija aufgetragen hatte. Schon am nächsten Tag trug der Strauch wunderbar duftende weisse Blütensträusse. Unka pflückte einige Dolden ab und brühte einen Tee auf. Bald nach dem die Kinder den Tee getrunken hatten, sank das Fieber. Die drei erholten sich rasch, und sprangen bald danach wieder mit dem Hund durch den Garten und tanzten singend um den Holderbusch.

Ansgar und Unka pflegten ihren Holderstrauch. Dieser dankte es ihnen mit den heilenden Blüten im Frühjahr und stärkenden Beeren im Herbst. Ihre guten Erfahrungen teilten die Beiden mit den anderen Dorfbewohnern. Damit nicht nur ihr Hof von den bösen Geistern geschützt sei, pflanzten sie an jedem Hof einen Holunderstrauchsteckling.

Von da an wurde das Pflanzen eines Holunderstrauches am Gehöft zu einer Tradition, die viele Jahrhunderte lang gepflegt wurde. Und im Sommer tanzen noch heute die Kinder und singen: Ringel, Ringel Reihe, wir sind die Kinder dreie. Wir sitzen unterm Holderbusch und machen alle husch, husch, husch.»


Mai 2021:

Apfelbaum

(malus) 



Ende April schon zeigten sich ganz zaghaft die ersten grossen Knospen der Apfelbäume. Sie schienen nur darauf zu warten mit den wärmenden Sonnentagen ihre zarten Blüten zu öffnen. Den noch so alten und knorrigen Apfelbaum werden sie nun in den kommenden Tagen in einen feinen und eleganten rosaweissen Mantel hüllen. Bei genauer Betrachtung die Ähnlichkeit zu den Rosenblüten entdeckt werden, zu welchen Gewächsen auch der Apfelbaum zählt.

Der Apfel ist kulturgeschichtlich schon seit der Steinzeit bekannt und zählte schon damals zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährung. Der Kulturapfel war dann auch den Römern bekannt und brachten die Zuchtform auf diese Weise auch in unsere Gefilde.

Der Kulturapfel kommt in ganz unterschiedlichen Grössen und Gestalten daher. Von den kleinen eher strauchartige Spalieräpfeln bis hin zu stattlichen breitausladenden Bäumen. Beide Varianten sind in und auch entlang unseres Gartens zu finden.

Kaum um einen anderen Baum ranken sich mehr Legenden, Mythen und auch Brauchtum. In verschiedensten Kulturen fand dieser Baum einen besonderen Platz und in beinah jeder wurde er in einer Form für Unsterblichkeit und als Baum des Lebens verehrt. Er galt als heilig, bis heute symbolisiert seine Frucht die Liebe, die Fruchtbarkeit und das Leben. In China symbolisiert der Apfel Frieden und seine Blüten stehen für Schönheit. Der Apfelbaum gilt als der Baum der Sinnlichkeit, Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und der Liebe.

Der Apfelbaum symbolisiert Erkenntnis, denn er schenkt Weisheit und soll uns dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und wie es auch in Teodor Fontanes Gedicht zu tragen kommt. Jede Entscheidung bedarf eines Quäntchen Muts den Schritt zu wagen.

 

 Frühling

Theodor Fontane

 

Nun ist er endlich gekommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch DU

April 2021:

Esche

(Fraxinus excelsior) 




Ganz zart streckt unsere Esche ihre Knospen den warmen Frühlingstagen entgegen. Sie beginnt in März und April zu blühen, bevor die ersten Blätter zu viel Raum um die Blüten einnehmen würden. Erst viel später im Frühling wird sie ihre markanten, gezähnten Fiederblätter der Welt entgegenstrecken.

Wenn sie denn in voller Pracht steht, ist die Esche ein eindrücklicher Baum. Kraftvoll und mächtig wirkt sie, wenn sie ihre volle Höhe von bis zu 40 Metern und ein Alter bis zu 300 Jahren erreichen darf. Sie bevorzugt es alleine und ganz für sich zu stehen.

Der Name “Esche” wird auf das Germanische zurückgeführt und hiess im Althochdeutschen “ask”, was mit Speer oder Bogen übersetzt werden kann. Das Holz ist sehr schwer, fest, aber auch sehr elastisch und wurde gerne für eben jene Speere, wie auch für Werkzeuggriffe, verwendet. Nach wie vor wird das unempfindliche und zähe Holz gerne im Innenausbau, im Instrumentenbau oder Bootsbau eingesetzt.

Die noch jungen Blätter der Esche lassen sich ausgezeichnet zu einem Wildsalat beimischen oder auch zu einem Tee zubereiten. Dieser wirkt gegen Verstopfung und rheumatischen Krankheiten.

Von den vielen nützlichen Eigenschaften der Esche waren bereits unsere Vorfahren überzeugt. Der Baum soll unter anderem unheilabwehrende Kräfte in sich tragen. In der griechischen Mythologie schenken ursprünglich die Eschen den Menschen das Feuer. Eine nordamerikanische Indianerlegende erzählt davon, dass der Gott der Schöpfung einen Pfeil in eine Esche geschossen haben soll, woraus dann die ersten Menschen geboren worden sein sollen.

Als Weltenbaum «Yggdrasil» wird sie in der Liedersammlung «Edda» aus der nordischen Mythologie besungen. So repräsentierte sie den gesamten Kosmos. Um ihren Schutz wurde gebeten und ihr Blätterrauschen erzählten von der Zukunft.

Offen steht, wovon sie uns in diesem Jahr durch ihr Blätterrauschen erzählen wird.

 

Die Esche

Jürgen Wagner

 

Ein sehr alter Traum
Die Welt als ein Baum
Auf all seinen Eb’nen
Entfaltet sich Leben
Die Krone, der Himmel
In der Mitt’ das Gewimmel
Was unten geschieht -
Ist verborg’nes Gebiet

So fest, so stark und grundstabil
Da wären wir schon fast am Ziel
Wenn uns’re Welt sich könnte messen
Mit einer Esche, ihren Kräften
Doch gibt sie uns ein wenig Ahnung
Etwas Rüstzeug für die Planung:
Ernsthaft zu sein und tief gegründet
Solid’ zu wachsen, lichtverbündet 


März 2021:

Hasel

Korkenzieherhasel

(Corylus avellana Contorta)





Wenn alles dabei ist langsam zu erwachen, doch den ersten warmen Sonnenstrahlen noch nicht trauen kann, ist der Hasel der Erste. Noch kahl, lässt er bereits seine unscheinbaren und eher blassen Blüten von seinen Ästen baumeln. Die ersten Insekten danken es ihm und nutzen die Haselblüten als nährende Futterquelle, wenn alle anderen Blüten noch auf sich warten lassen. Die Haselblüten zeigen erst bei genauer Betrachtung ihre winzige und feine Zartheit. Nicht immer muss mit Farbenpracht getrumpft werden.

In unserem Garten finden wir drei wunderschöne Exemplare einer Unterart des Haselstrauchs. Der Korkenzieherhasel, wird vermutet, ist eine Spontanmutation des gewöhnlichen Hasels. Auch er bildet im Herbst essbare Nüsse aus.

Der Haselstrauch ist ein uraltes Gewächs, welches nach der letzten Eiszeit als dominierendes Gehölz in großen Teilen Europas verbreitet war. Bereits die Menschen vor rund 9000 Jahren in der Mittelsteinzeit schätzten die kleine «Wundernuss» als gehaltvollen Energielieferanten. Die Haselnuss fand im Volksglauben, Märchen, in der Mythologie und als Heil- und Schutzpflanze in den unterschiedlichsten Kulturen ihre Bedeutung. Bei den Römern war der Haselstrauch ein Symbol des Friedens. Bei den Germanen, wie auch bei den Kelten stellte der Haselstrauch ein Symbol der Fruchtbarkeit und der erotischen Kraft dar. Als Lebensbaum nach dem keltischen Baumkreis steht er für Wahrheit und Ehrlichkeit.

Dieser wunderschöne und nach wie vor weitverbreitete Strauch, hat in seiner Bedeutung und Nutzung etwas eingebüsst. Doch Verwendung können nicht nur die allseits beliebten Nüsse in der Küche finden. Auch Blätter und Knospen sind schmackhafte Beigaben in Salaten. Blätter und Rinden dienen als Waschung kühlend bei entzündlicher Haut. Das weiche Haselholz eignet sich für Tischler- oder Drechselarbeiten, aber auch für einen stabilen Pfeilbogen zum Spielen kann es genschnitzt werden. Für die Malerei werden Holzkohlestifte gerne aus der Kohle der Haselnuss verwendet.

Ein leiser Strauch in dem sich mehr verbirgt.

 

 

Die Hasel blühen

Stefan George (1868 – 1933)

 

An Baches ranft
Die einzigen frühen
Die Hasel blühen.
Ein Vogel pfeift
In kühler Au.
Ein leuchten streift
Erwärmt uns sanft
Und zuckt und bleicht.
Das Feld ist brach
Der Baum noch grau
Blumen streut vielleicht
Der Lenz uns nach. 



Februar 2021:

Kiefer




 

Die Kiefer oder bei uns auch oft Föhre genannt, scheint erst auf den zweiten Blick ihre Besonderheit preis zu geben. Sie hat sich über die nördliche Hemisphäre an die unterschiedlichsten vegetativen Voraussetzungen angepasst und kommt daher in über 100 Arten vor. Sie sind wahre Überlebenskünstler. Sie wachsen auf Dünen, in sauren Moorböden und in Felsspalten. Selbst am Polarkreis oder in den Alpen finden sie sich zurecht. Natürlich gedeihen sie auch auf nahrhaftem und gutem Boden, wie in unserem Garten, doch wildwachsend haben sie an solchen Plätzchen viel Konkurrenz durch andere Bäume. Mit ihrer Genügsamkeit und grossen Anpassungsfähigkeit hat die Kiefer ihr Überleben gesichert. 

 

 

Die bei uns heimische Waldkiefer entwickelt sich erst mit dem Alter zu einem stattlichen und malerischen Baum. Mit ihrer schirmförmigen Krone, einer imposanten Grösse von bis zu 40 Metern machen sie Eindruck. Sie schmücken sich mit äusserst langen Nadeln und auffälligen Formen ihrer Zapfen; rundlich bis eiförmig in unterschiedlichsten Grössen. Im Alter verändert sich ihre erst glatte Rinde und beginnt sich um so grösser der Stamm wird, sich in grossen und dicken Schuppen zu lösen. Die Kiefer kann bis zu 700 Jahre alt werden und wurde bereits früh in ihrem Nutzen für den Menschen entdeckt. Das äusserst harten Holz wird gerne im Aussenbereich genutzt und ist auch in der Möbelherstellung sehr begehrt. Da das Holz auch viel Harz einlagert, wurden früher daraus Kienspäne gewonnen und diese zum Entfachen von Feuer und Fackeln benutzt.

 

 

Im Keltischen Baumkreis wurde die Kiefer für Menschen die in der zweiten Hälfte des Februars sowie in der zweiten Hälfte des Augusts geboren sind, zum Leitbaum auserkoren. Der Lebensbaum Kiefer symbolisiert nach dem keltischen Baumkreis Bescheidenheit, Genügsamkeit und wohlüberlegte Anpassungsfähigkeit.

 

 

 

 

 

Im Anhang eine kleine Geschichte zur Kiefer

 

 

 

 

 

Die Maus und die Kiefer

 

 

Vor langer, langer Zeit lebte in einem großen Wald eine kleine Maus. Wie alle Mäuse war sie immer auf der Suche nach Futter. Die ganze Nacht schon hatte sie auf der Suche nach Futter den Wald durchquert und wäre einmal fast von einer Eule gefressen worden. So eine Suche ist sehr gefährlich. Obwohl sie sich sehr viel Mühe gab, hatte sie bis jetzt nur eine Walderdbeere und einen kleinen Käfer fressen können. Immer weiter bewegte sich die Maus durch den Wald und langsam begannen die Bäume um sie herum an andere zu werden. Sie ging weiter, bis sie zu einem Waldstück kam, in dem nur Bäume standen, die sie niemals zuvor gesehen hatte. Unten am Stamm war die Rinde rau, aber oben in der Baumkrone war die Rinde sehr glatt und hell. Der Baum hatte lange Nadeln Auch die Zapfen der Bäume sahen anders aus, als die kleine Maus es bisher kannte. Sie waren nicht länglich, sondern eher ähnelten kleinen Eiern. Ganz vertieft betrachtete die Maus die unbekannten Bäume, dass sie gar nicht die Gefahr bemerkte, die sich von hinten an sie anschlich. Ein Fuchs hatte die Maus bemerkt und freute sich schon sehr auf einen kleinen Mittagsimbiss. Leise schlich er sich an, bis die Maus in seiner Reichweite war. Ein großer Sprung und schon war der Fuchs über der Maus.
"Hab ich dich!" brüllte er, als er die kleine Maus in seinen Krallen hatte.

 

 

Die Maus war zu Tode erschrocken. Zwar hatte sie den Schatten bemerkt, doch sie hatte nicht genug Zeit, um zu entwischen. Jetzt war sie in der Falle! In ihrer Verzweiflung brüllte sie so laut sie konnte: "Halt! Dann verschone ich dich!"

 

 

Verdutzt schaute der Fuchs die kleine Maus an. So etwas war ihm noch nie passiert. Eigentlich wollte er die Maus sofort fressen, doch nun war er neugierig geworden.

 

 

"Was willst du kleine Maus mir schon antun? Es ist Mittag, es ist heiß und ich habe Hunger."

 

 

Die kleine Maus konnte ihr Glück kaum fassen! Sie war noch nicht gefressen worden.

 

 

"Glaubst du, ich bin alleine hier im großen Wald unterwegs? Ich habe grosse mächtige Freunde! Siehst du sie denn nicht?!"

 

 

Der Fuchs, sah sich um und sah ausser dem Wald rein gar nichts. Bist du denn jetzt ganz verrückt geworden du kleine Maus, lachte er laut auf. «Mächtige Freunde, genau! Unsichtbar sind sie und kommen vom Himmel geflogen, was?» Er öffnete sein Maul und wollte gerade zubeissen, da … knackte es plötzlich über ihm im Baum! Da! Wieder und wieder knackte es über ihm und nun glaubte er der Maus die Geschichte. Was war das nur? Ungeheuer gross musste diese Freunde sein! Auch wenn er sie immer noch nicht sehen konnte. Er bekam es mit er Angst zu tun und ließ das Mäuschen frei und lief so schnell er konnte in seinen Fuchsbau.

 

 

Die Maus war auch von dem Knacken überrascht worden. Am liebsten wäre sie genau wie der Fuchs weggelaufen. Irgendwie kam ihr aber das Knackgeräusch komisch vor. Woher das wohl kommen mochte. Es nahm all seinen Mut zusammen und lief langsam um die seltsamen Bäume herum. Und da! Jetzt kam das Knacken sogar ganz aus der Nähe! Vorsichtig und leise, wie es nur eine Maus kann, schlich sie sich an das Geräusch heran an. Langsam schaute sie um den Stamm und was sie dort sah ließ sie in lautes Gelächter fallen.

 

 

Dort lag einer dieser seltsamen grossen Zapfen. Von ihm kam das Knacken, denn er fing sich an zu öffnen! Und im Inneren des Zapfens konnte die Maus lauter kleine Samen erkennen. Endlich gab es mehr als genug zu fressen für sie!

 

 

Die Maus ließ sich in diesem Wald nieder und gründete eine Familie mit einer anderen Maus, die ebenfalls dort lebte. Gemeinsam hatten sie und alle ihre Nachkommen immer genug zu fressen und auch die Füchse trauten sich nie wieder in den Kiefernwald hinein. Und immer, wenn es warm war, hörte sie die Kiefernzapfen knacken...

 

 



Januar 2021:
Tanne

 

 

(Abies alba)

 

 

Die Tanne oder Weisstanne ist der höchste und beständigste heimische Nadelbaum und gilt als Königin des Waldes. Sie liebt warme, humusreiche Böden. Junge Tannen wachsen langsamer als andere Nadelbäume, dafür kommen sie mit spärlichem Licht wunderbar zurecht. Geduldig und beständig wachsen sie dann länger als die meisten anderen Bäume zu wahren Riesen heran. 100 Jahre Wartezeit im Schatten eines Grossen machen der Tanne nichts aus. Diese Beschaulichkeit ist ihre Strategie zum Erfolg. Der Baum wächst bis zu imposanten 60 Metern und erreicht einen Stammdurchmesser von bis zu 2 Metern und kann bis zu 600 Jahre alt werden. Ihre Nadeln verrotten leicht und dienen damit als Nahrung für die umliegenden Pflanzen. Mit ihren tiefen Wurzeln gehört die Tanne zu den wichtigsten Sturmankern, die damit auch ihre umliegenden Nachbarn schützt. Ihre langsam wachsende doch sehr imposantes Erscheinen, wie auch ihr nährender und schützender Charakter hinterlassen einen recht erhabenen und königlichen Eindruck. Tannen sind leicht unter den verschiedensten Nadelbäumen auszumachen. Ihr Stamm ist weissgrau. Die Äste stehen waagrecht zum Stamm. Ihre kräftigen, flachen Nadeln sind seitlich abstehend und auf der Unterseite mit zwei hellen Längsstreifen versehen. Die Zapfen stehen aufrecht und zur Reifezeit zerfallen sie direkt am Baum.

 

 

Im Keltischen Baumkreis wurde die Tanne für Menschen die in der ersten Hälfte des Januars sowie in der ersten Hälfte des Julis geboren sind, zum Leitbaum auserkoren. Der Lebensbaum Tanne symbolisiert nach dem keltischen Baumkreis Weitsicht und Besonnenheit.

 

 

Passend zum Jahresbeginn kann uns die Tanne Besonnenheit und Weitsicht mit auf den Weg geben.

 

 

 Im Anhang eine kleine Geschichte warum die Tanne ihre Zapfen nicht abwirft.

 

  

 

 

Warum die Tanne keine Zapfen abwirft

 

 (Geschichte auf Basis «Waldfühlungen» Antje /Burkard Neumann)

 
Im Wald leben nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch einige Waldgeister. Diese haben sehr unterschiedliche Eigenschaften und fühlen sich deshalb auch an sehr unterschiedlichen Stellen des Waldes zu Hause. In den verschiedenen Baumarten fühlen sich die Holzfrauen und Holzmänner sehr wohl. Sie sind es auch die auf ihre Baumart achten und sie schützen. Von einem dieser Waldgeister wird in dieser Geschichte ein Geheimnis gelüftet. 

 

 

Vor langer Zeit lebte eine Holzfrau in einem riesigen Bergwald. Sie war ein herzensguter Waldgeist und behütete die vielen Waldbewohner mit grosser Sorgfalt. Sie war der Baumgeist der Tanne, der grössten Bewohner des Waldes und liebte aber auch die kleinen frechen Eichhörnchen. 

 

 

In diesem Wald lebte auch der kleine Waldgnom Wurzelgraus.  Wie alle Gnome liebte er es Menschen zu necken und immer Unheil anzurichten. Da sich jedoch nur selten ein Mensch in diese Gegend verirrte, fand er kaum Gelegenheit, jemanden zu ärgern. So suchte sich Wurzelgraus ein anderes Opfer für seinen Schabernack. Er wählte sich unseren Baumgeist, die Holzfrau der Tanne. Er wusste natürlich, wie sehr sie ihren Tannen und auch die Eichhörnchen liebte und sich an ihnen freute. Er sammelte zunächst alle Zapfen der Tanne, die sie bis dahin wie alle anderen auch abwarfen, ein. Er schleppte sie in seine Höhle und verwandelte sie dort in Mäuse. Der Gnom befahl ihnen die reifen Tannenzapfen zu holen und sie in seinen Bau zu schleppen. Wurzelgraus war der Herrscher über den Boden und hatte grosse Macht. Die Mäuse hatten grosse Angst vor ihm und führten seinen Befehl aus. Sie sammelten und brachten alle Zapfen, die sie nur finden konnten. Doch was geschieht, wenn keine Zapfen und damit keine Samen mehr auf dem Waldboden zu finden sind? 

 

 

Die Holzfrau besorgt über diese seltsamen Vorkommnisse, bat die Waldkäuze, die Waldohreulen und die Füchse um Hilfe. Sie sollten helfen all die Mäuse zu fangen. Doch sie schafften es nicht. Wurzelgraus verwandelte immer mehr Tannenzapfen in sammelwütige Mäuse. Es gab nun kaum noch reife Zapfen. Und wenn einer zu Boden fiel war auch bald schon von Wurzelgraus und seinen Mäusen versteckt. Die Holzfrau machte sich grosse Sorgen. Denn wie sollten die Eichhörnchen und viele andere kleine Tiere genügend Samen zu fressen finden. Der Winter war lang und hart. Und über dies, konnten im kommenden Frühjahr auch keine jungen Tannen mehr aufwachsen. Es war zum Verzweifeln! Die Holzfrau war wütend und traurig darüber. Sie überlegte und studierte, wie nur sie den Tannen helfen konnte. Da kam ihr der rettende Gedanke! Sie befahl allen Tannen, ihre reifen Zapfen nicht abzuwerfen. Sie sollten ihre Zapfen aufrecht wachsen lassen und dann reif sofort und noch am Baum zerfallen lassen. So sollten nur die kleinen Samen zu Boden fallen. 

 

 

So fanden Wurzelgraus und seine Mäuse keine Zapfen mehr. Und die tausenden von Samen waren einfach zu viele um sie alle Einzusammeln. So fanden die Tiere Futtersamen und es blieben noch genügend im Waldboden zurück, damit neue Tannen wachsen konnten. 

 

 

Wurzelgraus war so wütend über seine Niederlage, tobte und stampfte auf und verschwand mit lautem Getöse im Waldboden. 

 

 

Von diesem Tag an kehrte wieder Ruhe im Wald ein und die Tannen behielten von diesem Tage an ihre Zapfen.

 

 

 Dezember 2020:

 

Mammutbaum

(Sequoiadendron giganteum)






Der Mammutbaum oder im Englischen auch «Redwood» ist ein gewaltiger Baum mit einem sehr mächtigen und beeindruckenden Wuchs. In unseren Breitengraden erreicht er eine Wuchshöhe von bis 30 m und kann sich bei genügend Raum zu einem Monument entwickeln.

 

Der momentan grösste, lebende Mammutbaum ist gute 83 m hoch und hat einen Stammdurchmesser von 8 m. Sein, für uns Menschen an eine Ewigkeit grenzendes Alter, wird auf 2500 bis 3000 Jahre geschätzt. Soweit bekannt ist, ist noch nie ein Mammutbaum an seinem Alter gestorben. Nur eine Naturkatastrophe oder der Mensch können das Leben dieses Nadelbaumes beenden.

Er scheint mit seiner Mächtigkeit, wie auch mit seiner schier unendlichen Lebensdauer, Himmel und Erde miteinander verbinden zu wollen. Unser Mammutbaum im Garten der Stille ist wohl in seinem Leben gerade den Kinderschuhen entwachsen und bietet bereits jetzt schon einen monumentalen Anblick.


Diese majestätischen Riesen wirken nicht erdrückend. Im Gegenteil sie strahlen eine Sanftheit aus und berühren mit einer ganz eigenen Energie. Sie lassen uns Menschen unsere eigentliche Winzigkeit bewusstwerden und rücken Mächtigkeit, Grösse wie Zeit in eine neue Relation.

 In diesem Sinne ein frohes Weihnachts- und Lichtfest! Auf dass das uns die Bäume im kommenden Jahr etwas Demut lehren.

  Mammutbäume

(Jürgen Wagner)

 Rotbraun steigen sie mit Kräften

Langsam und mit sanften Mächten

Unten staunt ein Menschenzwerg

 

Himmelwärts geh’n diese Riesen

Zarte Lichter fliessen im

Immergrünen Blätterwerk

 

Boten aus ganz anderen Zeiten

Die noch immer uns begleiten

Wissen tragen sie in sich

 

Mögen wir sie wohl beachten,

Freudig grüssen und betrachten

Sie sind einzigartig. 


November 2020:

Echte Walnuss


(Juglans regia L.)

Der echte Walnussbaum oder hier in der Schweiz als Baumnuss bekannte Baum, war ein seit jeher beliebter und gehört zum Kulturgut der Schweiz. Der Sommergrüne Laubbaum mit seiner rundlichen, ausladenden Krone und dem auffallend grosse Laubwerk ist im Sommer ein angenehmer Schattenspender und im Herbst liefert er die wohl bekanntesten und beliebtesten Nüsse. Nussbäume sind lichtbedürftig und sehr kälteempfindlich. Sie sind sehr anspruchsvoll an den Boden und verlangen daher nach geschützten Plätzen und gedeihen in mildem Klima am besten.

Der echte Wallnussbaum erreicht eine stattliche Höhe von bis zu 25 Meter und kann bis zu 500 Jahre alt werden. Hierzu scheint unser kleiner Nussbaum im Garten der Stille noch in seiner Jugend zu stecken und hat hoffentlich noch viele Sommer vor sich.

 

Blätter & Blüten

Die starken kräftigen Äste stehen meist waagrecht und verzweigen sich in starken Biegungen. Der Nussbaum ist im Frühjahr einer der letzten der seine Blatttriebe hervorbringt. Während des Austriebs sind seine Blättchen rötlich gefärbt, wechseln dann aber bald in ihr sattes Dunkelgrün. Auch mit seinen Blüten, den Weiblichen, wie auch mit den männlichen Kätzchen prahlt der Nussbaum nicht. Auch diese hält eher dezent und verlässt sich auf eine Bestäubung durch den Wind. 

Die langgestielten, grossen Blätter sind wechselständig und sowie gefiedert. Die Teilblätter zeigen eine längliche bis ovale Form. Im Gegensatz zum Frühjahr ist der Nussbaum im Herbst, einer der ersten der sein sehr dezent gelb-braun verfärbtes Laub abwirft und sich für den Winter wappnet.

 

Geschichte

 Der Walnussbaum blickt auf eine äusserst lange Geschichte zurück. Anhand archäologischer Funde ist heute bekannt, dass die Früchte des Walnussbaumes auf dem europäischen Kontinent schon in der Steinzeit als Nahrungsmittel genutzt wurden. In den folgenden Kaltzeiten starb der Nussbaum dann in weiten Teilen Europas aus, überlebte jedoch in den östlichen Mittelmeergebieten. Erst die Römer sorgten erneut für ihre Verbreitung. Die vielseitige Nutzbarkeit des Baumes sorgte für seine grosse Beliebtheit und war aus Gärten und Höfen kaum wegzudenken. Durch die Klimaerwärmung begünstigt, tauchen Walnussbäume in den letzten Jahren auch vermehrt in den Wäldern der Voralpen auf. Kulturgeschichtlich galt die Walnuss schon in den antiken Kulturen als Symbol der Fruchtbarkeit. Auch die Ähnlichkeit zum menschlichen Gehirn übte eine Faszination aus. Bei griechischen und römischen Hochzeitsritualen spielten Walnüsse schon in der Antike eine zentrale Rolle. Nach dem keltischen Baumkreis symbolisiert der Lebensbaum Nussbaum, Neubeginn und Erneuerung.

 

Verwendung

 Der Nussbaum wird in vieler Hinsicht gerne vom Menschen genutzt. Er schenkt uns ein ausgesprochen schönes und edles Holz. Die Färbung ist dunkelbraun und reicht von schlicht bis lebhaft gemasert. Das feinfaserige, harte und biegfestes Holz lässt sich gut bearbeiten, messern, schälen, drehen und schnitzen. Das Holz wird daher gerne für Möbel, im Innenausbau, im Orgel- und Klavierbau, Drechslerwaren, Kunstgegenstände und Schnitzereien verwendet. Heute zählt das Holz des Nussbaums zu den kostbarsten heimischen Möbelhölzern.

Aus seinen nährenden Früchten wird auch wertvolles Nussöl gewonnen, welches mit seinem besonderen Geschmack zahlreiche Köstlichkeiten verfeinert.

 

Medizinische Wirkung

 Die Blätter des Nussbaums werden seit jeher in unterschiedlichster Weise in der Naturheilkund eingesetzt. Durch einen ihren hohen Gehalt an Gerbstoffen eignen sich die Blätter zur Unterstützung bei Verdauungsproblemen und helfen auch gegen Hautentzündungen. Die Blätter werden als Tee, wie auch äusserlich als Bäder und Tinkturen verwendend. Mit regelmässigem Genuss von reifen Nüssen soll die Elastizität der Blutgefässe gefördert werden. Die grünen Nüsse sollen die Verdauung und die Leber stärken und wie auch das Blut reinigen. 


Oktober 2020:

Ahorn

(Acer) 


Der Ahron ist wohl einer der bekanntesten Wald- aber auch Parkbäume. Jedes Kind kennt bald den Namen des Baumes, der ihm so grosse, aussergewöhnlich geformte und im Herbst leuchtende Blätter schenkt. Je nach Ahorn Art erreichen die Bäume unterschiedliche Höhen. Der bei uns weitverbreitete Spitzahorn erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 30 Metern und kann stattliche 150 – 200 Jahre alt werden. Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegen die Industriebelastung wird er gerne im Stadtbereich zur Begrünung verwendet. In Parks oder Gärten, wie auch in unserem Garten der Stille, sind rotblättrige Zierformen sehr beliebt. An Waldrändern gilt der Spitzahorn als landschaftspflegliche Baumart.

 

Geschichte

Zum Ahorn zählen insgesamt rund 200 Baumarten, die eine Unterfamilie der Rosskastaniengewächse bilden. Damit ist der Ahorn in seinen unterschiedlichsten Variationen fast überall auf der nördlichen Erdhalbkugel zu finden.

Bei uns heimisch sind aber vor allem Spitzahorn, Bergahorn und der Feldahorn. 

Bereits vor 4000 Jahren stand der Ahorn bei den ägyptischen Priestern auf einer Liste der wichtigsten Heilpflanzen. Die Kelten haben den Ahorn in ihrem Baumkreis aufgenommen. Demnach sind die Tage Mitte April wie das 2. Drittel des Oktobers dem Ahorn gewidmet. Die Tage im Frühjahr liegen in der Zeit des Austreibens. Die Tage im Oktober verweisen auf die Nutzungsform der Kelten hin – ein Anzapfen von seinem leicht süsslichen Saft. Der Ahorn steht nach dem Keltischen Baumkreis für einen besonderen Drang nach Eigenständigkeit und wie auch für ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Gemeinsamkeit.

 

Blätter & Blüten

Im Frühjahr schmückt sich der Spitzahorn noch vor Laubaustrieb mit einer Vielzahl gelbgrüner feiner traubenartigen Blüten. Oft sind die Geschlechter auf verschiedene Individuen verteilt. Daher sind die Ahorne auf die Bestäubung durch Bienen, Hummeln und andere Insekten angewiesen. Die auffälligen und charakteristischen Blätter des Spitzahorns erinnern an eine ausgestreckte Hand, da in fünf bis sieben Lappen aufgeteilt sind. Im Herbst verfärben sich die Blätter von der Spitze zum Kronenansatz fortschreitenden goldgelb bis hin zu einem leuchtenden intensiven Rot. Mit Hilfe des Windes können die sich rotierenden Flügelsamen, im Herbst in einem breiteren Radius vom Baum weggetragen werden und verhilft so den Aufkeimenden Bäumchen zu einer höheren Wachstumschance. Aufgrund der besonderen Samenform wurde der Ahorn auch mancherorts «Engelsköpfchenbaum» genannt.

 

Verwendung

Der austretende Saft unserer heimischen Ahorne wurde früher zu Sirup, Zucker oder Essig weiterverarbeitet. Gegenwärtig werden meist kanadische Ahornarten (Zuckerahorn) angezapft, um den bekannten Ahornsirup zu gewinnen.

Das feste und harte Holz des Feldahorns wird für vorzugsweise für Blasinstrumente verwendet. Das Holz des Berg- wie Spitzahorns hat eine besondere Klangkraft und wird gerne zur Herstellung von Geigen genutzt. Das helle und meist sehr fein gemaserte Holz wird von Drechslern gerne bearbeitet aber auch von Tischlern im Möbelbau verwendet.

Ahornblätter können auch auf vielfältigste Weise kulinarisch verarbeitet werde. Als Salat, Spinat oder auch Weinblätterersatz für gefüllte Ahornblätter.

 

Medizinische Wirkung

 

Dem Ahorn werden kühlende und abschwellende Eigenschaften nachgesagt. In der Volksmedizin hatte dieser weit verbreitete Baum seinen festen Platz.

 

Folgende Wirkungen werden und wurden dem Ahorn nachgesagt: Linderung bei Fieber, Prellungen, geschwollenen Augen oder bei Insektensticken.

 

 

 

September 2020:

Pappel

(Populus)










Die eindrücklichen Exemplare im und um den Garten der Stille wurden 1993 von Theresia und Melchior eingepflanzt. Mit ihren knapp 30 Jahren ist die Pappelgemeinschaft eine noch sehr junge Baumgruppe. Pappeln werden bis zu 200 Jahre alt und sind sehr anspruchslose Bäume. Wie Weiden, ihre nächsten Verwandten, wachsen sie gerne in feuchten nährstoffreichen und durchlüfteten Böden. Doch sind sie sehr anpassungsfähig und finden sich mit den unterschiedlichsten Bodenbedingungen zurecht.

Pappeln wachsen äusserst schnell und entwickeln sich zu stattlichen Bäumen, je nach Art von bis zu 40 Metern Höhe.

Eine faszinierende Besonderheit der Pappel ist ihr ihr weitaus verbindendes Wurzelwerk. In einem Radius von bis zu 40 Metern um die Mutterpflanze spriessen Schösslinge aus den feinen langen Wurzeln hervor und verhelfen dem Baum so für sein Überleben zu sorgen. 

 

Geschichte

Die Pappel mit ihren 40 unterschiedlichen Arten kommt weltweit in den nördlichen und gemässigten Zonen vor. In Mitteleuropa sind die drei Arten Weiss-Pappel, Schwarz-Pappel und Zitter-Pappel heimisch. Früher setzte man Pappeln zur Trockenlegung sumpfiger Gebiete ein. Die Bäume vermögen durch ihr weitreichendes Wurzelwerk viel Feuchtigkeit aus dem Boden zu ziehen und über die mächtigen Kronen schnell zu verdunsten. Heimische Arten wie die in Auwäldern wachsende Schwarzpappel aber auch die Zitter-Pappel waren bereits in der Antike als Nutz- und Heilpflanze bekannt.

 

Blätter & Blüten 

Die Blätter der Pappel sind eiförmig bis dreieck- teils herzförmig. Sehr charakteristisch ist Rascheln der Pappelblätter. Der leiseste Windhauch lässt die feinen Blättchen erzittern und bringt sie zum Rauschen. Bei der auch als Espe bekannten Zitter-Pappel ist die Reaktion auf den feinsten Windhauch so ausgeprägt, dass man vom "Zittern wie Espenlaub" spricht.

Pappeln blühen im März und April in herabhängenden sehr unauffälligen Kätzchenblüten. Auch sie sind zweihäusig und haben damit männliche und weibliche Bäume. Pappeln sind wichtige Insektennährgehölze. Typisch für alle Pappeln sind Laubknospen welche von einem klebrigen Harz bedeck sind. Bienen sammeln das Harz und bauen es zu der bekannten Propolis um. Damit verkitten sie ihre Waben, um sie gegen Eindringlinge und Krankheiten zu schützen.

 

Verwendung

Wegen ihrer Größe verwendet man Pappeln überwiegend in der freien Landschaft und in Parkanlagen. Im Garten- und Landschaftsbau dienen sie zur Ufer- und Böschungsbefestigung. Die schmalkronigen Formen werden gerne, wie auch in dem Garten der Stille, als Alleebaum aber auch als Windbrecher, um Obstanlagen einzufrieden, genutzt.

Das helle, weissliche, leichte Pappelholz wird vielseitig verwendet. Es ist sehr weich und dabei sehr belastbar und nur schwer entzündlich. Damit bietet es zahlreiche Verarbeitungsmöglichkeiten. Es wird zu Zellstoff und damit zur Grundlage von Papier verwendet. Es wird zu Sperrholzplatten, Spanholz und damit Geschenk-und Lebensmittelverpackungen verarbeitet. Auch wird es im Korpus von Instrumenten wiedergefunden, da es eine gute Resonanzeigenschaft haben soll. In Italien wurden speziell in der Renaissance Gemälde und Tafelbilder auf Pappelholztafeln gemalt, so auch das berühmte Bild der Mona Lisa.

 

Medizinische Wirkung

Pappelknospen wirken antibakteriell und fördern die Wundheilung. Die Salbe hilft bei Hautverletzungen, Hämorrhoiden, Sonnenbrand und Frostbeulen. Rinde und Blätter der Pappel können zur Schmerz- und Rheumatherapie verwendet werden.

Die Pappelknospen können als Tee aber auch als Badezusatz eingesetzt werden. 



August 2020:

           Echte Trauerweide

(Salix babylonica)













Die Trauerweide ist einer der eindrücklichsten Weidegewächse. Mit ihren ausladenden rutenförmigen dünnen Ästen erreicht die Weide eine Wuchshöhe bis zu 20 Metern. Ihre majestätisch wirkende Baumkrone erreicht einen Umfang von rund 10 Metern. Dabei wachsen die Bäume in den ersten zwanzig Jahren jährlich bis zu einem Meter in die Höhe. Ältere Bäume wachsen pro Jahr nur etwa die Hälfte. Trauerweiden werden rund 100 Jahre alt. Ob Grauweide (Salix cinerea), Salweide (Salix caprea), Korbweide (Salix viminalis) oder eine der anderen rund 400 bekannten Weidenarten und egal ob sie sich in stolzer 30 Meter Höhe oder als 3 cm flacher Kriechbusch zeigen – sie alle lieben die Nähe zum Wasser und haben eine fast unendliche Biegsamkeit ihrer langen Zweige.

 

Geschichte

Die echte Trauerweide stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum (China und Japan) und ist aber im gesamten europäischen Raum vertreten. Ihre europäischen Verwandten hatten auch in unseren Breiten seit jeher eine spirituelle wie auch heilkundige Bedeutung. Weiden gelten wegen ihres enormen Ausschlagvermögens als sehr vital und wurden bereits in der Antike als Symbol des Lebensflusses zwischen Geburt und Tod verehrt. Die Germanen glaubten, dass die Bäume als Sitz der Gottheiten fungierten. In der nordischen Mythologie waren sie Iduna, der Göttin der ewigen Jugend, geweiht. Die Weide steht für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt, Verjüngung und Erneuerung. Sie ist „dicht am Wasser gebaut“ und wirkt leicht melancholisch.

 

Verwendung

 

Das Holz der Weide ist feinporig und sehr weich und leicht, aber nicht elastisch. Daher wird ihr Holz vorwiegend als Brennholz aber auch im Bereich der Papier- und Zellstoffherstellung verwendet. Die biegsamen Weiden-Triebe bzw. Gerten oder Ruten sind für Körbe und andere Flechtwerke geeignet und waren seit jeher bei Korbflechtern ein beliebter Rohstoff. Die wattigen Samenbüschel wurden früher auch zur Füllung von Kissen verwendet.

Blätter & Blüten

 

Die mittelgrünen Blätter sind lanzenförmig geformt und werden bis zu zehn Zentimeter lang. Bewegen sich diese üppig grünen, langen Ruten im Wind, verbreiten sie ein fliessendes, zartes charakteristisches Rauschen.

Wie alle Weiden gilt auch die Trauerweide als zweihäusig getrenntgeschlechtig, so trägt jede Weide entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten. Zwischen April und Mai steht die Trauerweide in voller Blüte und verbreitet eine gelblichen «Pollennebel». Kommt man im Frühjahr einer Weide nahe, wird man von einer summenden Klangwolke umhüllt. Sie bietet den zahlreichen, emsig arbeiteten Insekten ein üppiges Angebot. Zart und doch auffällig verströmt ihr markantes Duftaroma.

 

Medizinische Wirkung

 

Junge Triebe und Blätter schmecken in Suppen und Salat oder als Tee. Weidenrinden-Tee ist ein traditionelles Heilmittel gegen Schmerzen, Rheuma, Fieber und diverse andere Leiden. Die Rinde wird auch als Tinktur und homöopathisches Mittel eingesetzt.    


Juli 2020:

                              Birke

                                           (Betula)








Kaum zeigt die Birke im Frühjahr ihre ersten zarten hellgrünen Blättchen, strahlt sie bald in einem satten frischen Sommergrün. Sie ist ein schnellwachsendes Gehölz, welches bereits nach wenigen Jahren eine Wuchshöhe von bis zu 7 Metern erreicht. Ausgewachsene Bäume erreichen bis zu 30 Meter Höhe. Die Hänge-Birke erreicht ein Alter von bis zu 120 Jahren. Birken sind als Einzelbäume anzutreffen, doch wachsen sie auch gerne in kleinen Gruppen. Ihre besonders markante Borke reicht von Schwarz über unterschiedliche Brauntöne hinein ins Weiss. Der Name «Birke» bezieht sich auf genau dieses auffällige Farbenspiel ihrer Rinde. Das Wort stammt aus dem Althochdeutschen «bircha» und ist auf das indogermanische zurück zu führen und bedeutet so viel wie «glänzend, schimmernd». 

Geschichte 

Durch ihre Robustheit und Kältetoleranz, waren Birken nach der letzten Eiszeit sehr früh wieder in Mitteleuropa zu finden. Später wurden sie mit zunehmender Klimaerwärmung im mitteleuropäischen Raum von Eichen, Buchen und Nadelbäumen zum großen Teil verdrängt.

Schon seit alters her steht die Birke als Symbol des Frühlings, der Jugend, der Wiedergeburt und Erneuerung, der Fruchtbarkeit, der Reinheit, des Lichtes, der Liebe und der Freude. Sie verkörpert im Lebenskreislauf Wachsen und Entstehen. Die Birke ist mit dem Lebendigen verbunden und ein Symbol des Schutzes. So glaubte man das der Baum die Fähigkeit besaß Unheil abzuwenden, Blitze abzuwehren oder vor Haus und Hof gepflanzt das Böse abzuwehren.


Verwendung

Das Holz der Birke ist gleichmässig hell gelblich oder rötlich gefärbt und besticht mit einem seidigen Glanz. Die Hell-Dunkel- Lichteffekte im Holz machen Birkenholz zu einem dekorativen Nutzholz. Durch seine geringe Tragkraft wird es nicht als Bauholz, sondern mehr im Möbelbau und Dekorativen Bereich verwendet. Es lässt sich leicht Schnitzen oder Drechseln. Durch den hohen Anteil von ätherischen Ölen ist auch das frische Birkenholz ein geeinigtes Kaminholz und leicht brennbar. Das auffällige Rind wurde seit je her vielfältig gebraucht. Es wurden daraus Schuhe, Rucksäcke, Kanus, Gefässe, Vorratsbehälter hergestellt oder auch als Schreibuntergrund genutzt.


Blätter & Blüten

 Die Blätter der Birke sind wechselständig angeordnet, leicht herzförmig und an den Rändern leicht gesägt. Sie sitzen an mittellangen Blattstielen und bewegen sich raschelnd und tänzelnd im Wind. Die weiblichen Blüten der Birke werden im Frühjahr zusammen mit dem Blattwerk gebildet, und sitzen einzeln aufrecht auf den Ästen. Die männlichen Blütenstände, auch Kätzchen genannt, haben sich schon im Vorjahr an den Astspitzen gebildet und überwintert. Die Befruchtung der weiblichen Blüte erfolgt durch den Wind. Im Herbst fällt der Samen der Birke als geflügelte Nussfrucht zu Boden. Durch die zwei kleinen Flügel können die Nussfrüchte der Birke vom Wind über große Entfernungen getragen werden. Die draus spriessenden Birken-Sämlinge können im ersten Jahr schon eine Höhe von über einem Meter erreichen.


Medizinische Wirkung

 In Mitteleuropa wurde vor allem die heimische Sandbirke bereits historisch in der Volksmedizin genutzt. Ihre Bestandteile gelten als blutreinigend, harntreibend und anregend, weshalb sie heute in der Pflanzenheilkunde Verwendung findet.

Verwendet werden die Blätter, die Blattknospen und der Birkensaft (durch Anzapfen gewonnen). In der Heilkunde finden die Blätter als Tee aufgrund ihrer harntreibenden Wirkung bei Blasen und Nierenleiden, rheumatisches Leiden oder Gicht angewandt. Ein Sud aus den Blättern oder Rinde ist lindernd bei Hautauschlägen. Birkensaft wirkt anregend und wird unter anderem auch in der Hautpflege eingesetzt. Betulin, aus der Birkenrinde gewonnen, wirkt bei Verbrennungen und kleinen Verletzungen. 


Juni 2020:

Linde

(Tilia)

 




In der Schweiz ist die Winterlinde (Tilia cordata) häufiger als die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und bevorzugt geschützte Lagen im Mittelland und in Föhntälern. An den ihr entsprechenden Standorten in den Voralpen und im Bergland wachsen Linden bis etwa 1500 m. ü. M. Grössere Bestände sind eher selten und es gibt nur wenige Lindenwälder. Einer der Bekanntesten liegt an den Südhängen des Walensees.

Die Linde ist freistehend ein markanter, stattlicher Baum mit kurzem und dicken Stamm mit starken, knorrigen Ästen und einer ausladenden Krone.

Die Linde hatten die unterschiedlichsten Volksnamen. Bekannt ist sie als Linn, Leng, Lingeboom, Spätlinde, Bastholz….

 

Geschichte

Beliebt ist der mächtige und imposante meist einzelstehender Baum seit jeher. Lange Zeit wurde sie verehrt als Dorf- oder Hoflinde, wo sie als Tanz-, Friedens- und Kommunikationsbaum (für amtliche Bekanntmachungen) Treffpunkt für Jung und Alt war. Oder als Rechtsbaum, wo früher geschlichtet, vermittelt sowie gerichtet und in Einzelfällen das Urteil gleich an einem starken Ast vollzogen wurde. Zahlreiche Orts- und Flurnamen erinnern an ihre Bedeutung.

Schon den Alemannen galt die Linde als heiliger Baum und war der Göttin Freya (Göttin der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes und der Liebe) geweiht. Nicht zuletzt wegen ihren herzförmigen Blättern. Der oft in der Nähe von Häusern gepflanzte Baum bot Schutz vor Blitzschlag, Hexen und bösen Geistern.

 Verwendung

Bereits die Pfahlbauer nutzten die Vorteile des zähen, schlecht zerreissbaren Bastes (Gewebe unter der Baumrinde) der Linde zum Binden von Werkzeugen und zum Flechten von Matten. Im Mittelalter wurden aus Bast Schnüre, Seile und Bogensehnen hergestellt.

Das Holz beider Lindenarten ist biegsam und gut bearbeitbar. Deshalb wird es von Drechslern und Holzbildhauern geschätzt. Es findet Verwendung bei Modellschreinern, Spielwaren-, Schuhfabrikanten und Hutformern sowie in der Herstellung von Musikinstrumenten oder Zeichenkohle.

In der Küche eigenen sich die Blätter der Linde hervorragend für Salate oder Spinat-Gerichte. Die Blüten können zu köstlichem Linden-Gelee zubereitet werden, eingekochter Lindenblütensirup verfeinert Desserts oder Limonaden.

 

Blüten

Die die an Dolden Hängenden Blüten verströmen von Juni bis Juli einen markanten, intensiven und honigsüssen Duft. Das liebliche und fein durchringende Aroma scheint jeden zu umhüllen, der sich dem in Blüte stehenden Baum nähert.

 

Medizinische Wirkung

Für Heilzwecke können die Blüten der Sommer- und der Winterlinde gesammelt werden. Vor allem Blütentee verschafft "Lind-erung" bei Erkältung und Grippe. Er ist fiebersenkend, schleimlösend, schweiss- und harntreibend. Bei Vergiftungen, Darmerkrankungen und zur Wundbehandlung ist Lindenholzkohle ein altbewährtes Hausmittel. 


Mai 2020:

Rosskastanie

(Aesculus hippocastanum L)








 Die Gewöhnliche Rosskastanie kennt jedes Kind. Sie ist mit ihren herrlichen Blütenständen und ihren dicken, glänzenden Samen einer der beliebtesten Parkbäume. Ihre Heimat erstreckt sich von Albanien, Mazedonien und Griechenland bis zum Himalaja.

 

Die Rote Rosskastanie (Aesculus pavia) stammt ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas, wo sie wild vorkommt. Dort wächst diese markante Kastanienart an Flussufern.

Die echte Rote Rosskastanie ist eine Elternart der in Mitteleuropa gezüchteten Varianten, welche als kleinwachender Garten oder Parkbaum eingesetzt wird.

 

Geschichte

Ursprünglich stammt die Rosskastanie vom östlichen Balkan. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Osmanen über Konstantinopel nach Wien gebracht. Die Osmanen führten Kastanien als Pferdefutter mit sich und hin und wieder fiel eine zu Boden und entwickelte sich zu einem Baum.

Die zufällig ausgesäten Bäume gefielen offenbar vielen Menschen, denn im Laufe der Zeit wurde die gross wachsende Rosskastanie zu einem beliebten Baum in grossen Parks und als dominante Begrünung in Städten.

 

Blüten

Im Mai bilden sich die so prägnanten und aufwändig geformten Blütenrispen. Die bis zu 30 cm grossen aufrechtstehenden Rispen erinnern an einen Kerzenschmuck. Diese «Kerzen» setzen sich aus bis zu 100 Einzelblüten zusammen.

Die Gewöhnliche Rosskastanie hat weiße, offene Blüten mit einem zunächst gelben, später roten Farbfleck. Der Farbfleck signalisiert Bienen und Hummeln, ob in der Blüte Nektar vorhanden ist. Gelb bedeutet, „hier gibt es Nektar“, Rot bedeutet dagegen „diese Blüte ist bereits bestäubt, Nektarproduktion eingestellt.“

Die roten Blüten der Pavie zeigen diese Signale nicht. Das ist auch nicht erforderlich, denn in ihrer Heimat wird die Pavie vorwiegend von Kolibris bestäubt, die nicht in die Blüte hineinkriechen müssen.

 

Blütenduft

Die zartgefransten Blüten verströmen einen feinen süsslichen und Duft. Das Aroma ist voll und herb, dem in dem daraus gewonnen Honig nachzuschmecken ist.

 

Medizinische Wirkung

Vieles an der Rosskastanie findet in der Heilkunde Verwendung. Der heilende Wirkstoff der Früchte wird als Tee zur Stärkung der Blutgefässe angewandt. Ein Tee aus den Blüten der Kastanie wirkt besonders gut gegen Husten. Eine Tinktur daraus ist hilfreich bei rheumatischen Schmerzen. Die Rinde wirkt, innerlich eingenommen, entzündungshemmend, harntreibend, fiebersenkend und schmerzlindernd. 




April 2020:


Gelbe Magnolie

(magnolia grandifora)

 

Die Magnolie ist die Königin der Gehölze.

Magnolien zaubern eine einzigartige Blütenfülle in jeden Garten, wo sie mit ihren grossen, üppigen und fantastischen Blüten einen Hauch von Exotik verbreiten. Sie sind fast schon untrennbar mit dem Aufkommen der ersten zarten Frühlingsgefühle verknüpft.

 

Eine Besonderheit unter den zahlreichen ist die gelbe Magnolie. Obwohl sie nur sehr geringe Pflegeansprüche stellt, ist sie nur sehr selten in unseren Gärten zu finden.

 

Blütenduft

Ihre Blüten öffnen sich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im April und verströmen einen wundervollen, zarten und exotischen Duft. Er erinnert an eine Zitrusfrucht. Mit einem vollen Aroma ist der Duft unaufdringlich und fein.

 

Geschichte

Magnoliengewächse gehört zu einer uralten Pflanzenfamilie, welche ihre Entwicklung bereits vor 100 Millionen Jahren begann. Die über 230 Magnolienarten stammen aus Ostasien und Nordamerika.

In ihrer chinesischen Heimat sind Magnolien alte Kulturpflanzen. Ursprünglich standen sie nur dem Kaiser zu. Er verschenkte sie als besondere Auszeichnung. Magnolien stehen in China als Symbol weiblicher Schönheit, Reinheit und Süsse.

Medizinische Wirkung

Magnolien dienten seit alters her auch medizinischen Zwecken. Ein Extrakt aus der Rinde der Echten Magnolie (Magnolia officinalis) liefert ein Medikament mit stark belebender Wirkung. Ihre ätherischen Öle können in pflanzlichen Rezepturen bei Bluthochdruck und Herzbeschwerden verwendet werden.