Garten der Stille Römerswil

 

Swimmy

Geschichten vom Gartentroll, aus dem Garten der Stille

Figuren: Marianne Tay, Text: Rita Sidler (Copyrigth 2019 sidler, tay)




Februar

Liebe Marianne

Ich habe grosse Freude an dem Gartentroll den du mir geschenkt hast. Er hat mir seinen Namen ins Ohr geflüstert: Swimmy. Er ist schon ganz heimisch hier im Garten der Stille. Das ist sein Zuhause.

Inzwischen habe ich so allerlei mit ihm und seiner kleinen Trollen-Freundin Trixi erlebt. Davon erzähle ich dir nun:

Also es war so…

Swimmy der kleine Gartentroll, also er wollte heute unbedingt in den Garten gehen und Osterglocken suchen, ich habe ihm natürlich gesagt, dass es viel zu früh ist um Osterglocken zu finden. Aber nein, der kleine Wicht ist einfach barfuss wie er ist losgezogen und beinahe im Schnee stecken geblieben. Tja und jetzt hat er sich einen Schnupfen geholt…ich habe es ja gesagt…

Trixi die kleine Nackedei ist inzwischen gemütlich im Haus geblieben. Sie träumt sowieso nur von Sonne, Sand und Meer. Um diese Zeit in den Garten zu gehen wäre ihr nicht im Traum in den Sinn gekommen… 

Du siehst ich habe allerhand zu tun mit diesen neugierigen kleinen Wesen…Hatschi…ich gehe jetzt Tee kochen.

Grüsse aus Haus und Garten.

Rita

P:S: ich halte dich auf dem Laufenden. 




März

Swimmy putzt heute die Kristalle im Garten.

Vom Winterschnee sind sie geklärt worden, aber sie haben Kalk angesetzt.

Alte Erde und Blätterstaub sitzen in ihren Kristallritzen.

Die Morgensonne hilft mit und bald beginnen sie zu strahlen.

Stolz und klar. Klar und fest.

Ein feiner Wind wehte durch Swimmy`s Haare und trocknete die von ihm gewaschenen Steine. Nun glänzen sie. Tankten Sonnenlicht und Zuneigung. 

23. März

Swimmy zupft Unkraut, brummt und grummelt durch den Bart. Rumpelt mit dem Kessel herum.

Wackelt nach links und rechts, unruhig hin und her.

Es passt ihm gar nicht, dass er seine Arbeit unterbrechen sollte.

Mitten am helllichten Tag wollen die «schweizerischen Gartentrolle» eine Sitzung halten, über Zahlen und Fakten. Wollen über den neuesten Hilfsmitteln zur Gartenversorgung tratschen.

Das passt ihm ganz und gar nicht.

Heute war er bereit zum Unkraut zupfen. Blumen pflanzen, umtopfen. Den Platz vor dem Haus räumen und erste Frühlingsblumen setzten.

Er streikt.

Die Sonne hat Vortritt.

Die Blumen auch, die Pflanzen, das Wasser, die Freunde, das hat Vorrang.

Alles Geplapper konnte warten. Die Fakten auch.

 «Pfeift drauf!» Trällert die Amsel. 

April

Trost

Swimmy ist heute etwas traurig.

Er wischt sich eine Träne vom Gesicht und schliesst die Haustüre ab.

In warmen Schuhen stapft er den Berg hinauf.

Frischer, lauer Wind weht ihm entgegen.

Trocknet seine Augen, weicht sein Gesicht und sein Gemüt auf.

Umgibt ihn tröstlich. 










Mai

Swimmy läuft barfuss.

 

Die Sonne kitzelt seine Zehen, lacht ihm ins Gesicht, lockt ihn den ganzen Tag nach draussen.

Erdbeeren naschen, Blumen giessen, mit Libellen und Marienkäfer fangen spielen, mit Trixi plaudern.

Häuschen lüften, Sitzplatz abspritzen, Sonnenschirm aufspannen.

Trinken.

Kristalle suchen.

Finder -Glück! 




Juni

Swimmy hat schlechte Laune

Heute läuft ja gar nichts so, wie es sein sollte. Die gute alte Teetasse ist ihm aus der Hand gerutscht und am Boden in 1000 Stücke zerbrochen.

Die Pantoffeln kleben voll Honig.

Die Klospühlung funktioniert nicht.

Es stinkt im Haus.

Eigentlich hätte er heute eine Wanderung machen wollen. Nach unten zum See. Zum Fischen. Mit Korb und Pick nick.

Bestimmt hätte er seinen Freund, den Igel getroffen und die lustigen Blaumeisen. Er hätte ihnen Brotkrummen gebracht.

Aber nein, heut ist alles wie verhext. Er weiss gar nicht mehr wo vorne, wo hinten ist. Und seine Laune ist stinkig.

Erst da fällt ihm ein, dass er sich heute noch gar nicht gewaschen hat. Seine Haare sind ganz strubbelig.

Als er in den Spiegel schaut erwacht er erst richtig und seufzt.

Da entdeckt er in seinen Augen ein Blinzeln und einen Funken Sonnenschein.

«Entschuldigung.» murmelt er. Kämmt sich rasch die Haare. Trinkt einen Schluck Wasser. Fährt sich mit der nassen Hand über sein Gesicht und fängt den Tag nochmals an.

 

«Pack den Rucksack!

Geh hinunter zum See!

Nimm die Brotkrummen für die Meisen mit!

Schau, dass du den Igel triffst!» 

Juli

  









Trixi am Teich

 

1    Trixi

2   badet, quietscht, lacht

3   mitten im Teich

4    in all dem Seerosen-grün

 

2    badet, quietscht, lacht

5   mit all den Fröschen zusammen

4    in all dem Seerosen-grün

6    nackt und Freitag

 

5   mit all den Fröschen zusammen

7    ein Sommerfest

6   nackt und frei

8    zwischen Libellen und Seerosen

 

7    ein Sommerfest

1    Trixi

8    zwischen Libellen und Seerosen

3    mitten im Teich.

 

Geschrieben in der Gedichtform «Pantun» eine Gedichtform aus Malaysia

Zum selber ausprobieren: https://de.wikipedia.org/wiki/Pantun